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Zauber der Nacht

«Wenn ich arbeite und höre, dass draussen noch Partys abgehen, finde ich das extrem lässig», sagt Maria Wagner. Sie ist dabei, ohne teilnehmen zu müssen. «Dann bin ich ganz in meiner eigenen Welt und höre doch, was um mich herum passiert.» Ihre eigene Welt ist etwas für Mutige: Microstrings. Aus ihrer Schneiderei im Zürcher Stadtkreis 4 kommt nicht viel mehr als ein Hauch von Unterwäsche. Manche Freundin sei geschockt, sagt sie, über die Videos auf ihrer Website mit den tätowierten Models, die sich lasziv in Marias Kreationen räkeln. Ganz anders Thomas Balmer. Der Student an der Zürcher Hochschule der Künste hat Maria entdeckt. In einer Bar. Ihm hat sie ihr Nachtleben erzählt. Und er hat es als Teil eines akademischen Projekts in Bilder umgesetzt.

Das Video-Magazin «Nachtschichten» der Kunststudenten erzählt in Film-, Foto- und Text-Reportagen Geschichten von sieben «Eulenmenschen», die für sich die Nacht zum Tage machen. Wie Maria: Bis in die frühen Morgenstunden sitzt die 33-Jährige an ihrer Nähmaschine und setzt in Handarbeit routiniert winzige Stofffetzen, oft nicht mehr als nur drei bunte Bänder oder hauchzarte Bordüren, zusammen. 2002 hatte sie sich als Lingerie-Designerin selbstständig gemacht und arbeitet am liebsten, wenn andere feiern oder schlafen.

Entwickelt wurde die Magazin-App, die Journalismus und Storytelling vereint, von Studierenden unter der Leitung von Nico Lypitkas im Fachbereich Cast/Audiovisuelle Medien. Im Fokus der Nachtforscher standen auch Drucker, Nachtwächter, Feuerwehrleute, eine Burlesque-Tänzerin und eine Bar-Managerin. Sie alle arbeiten gerne in der Nacht. Weniger Stress, mehr Ruhe.

Mehr als Feuerlöscher
Das gefällt auch Feuerwehrmann Toby Merkli. Der gelernte Forstwart sieht seine Aufgaben weniger im reinen Feuerlöschen, sondern vielmehr im Allgemein- und Katastrophenschutz. Da stehen mehr Menschen statt Häuser im Vordergrund. Es ist bewegend, wie er von einer Frau berichtet. Bei einer seiner Nachtschichten musste Merkli sie beim Kinderspital abholen, wo ihre schwer kranke Tochter lag. Am darauffolgenden Tag wurden die lebenserhaltenden Massnahmen abgestellt. Keine Nacht ist wie die andere.

Kurt Schmidt hält einen schweren Reisigbesen fest in der Hand. In seinen Nachtschichten geht er als «Vorwischer» für Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ) die Strassen ab. Viel Müll, selten Passanten. Schmidt ist ein erfahrener Heinzelmann, ohne den sich Zürich nicht als sauberste Stadt der Welt produzieren könnte. «Die Nacht hat was», sagt er. Dann hält Kurt die Nase in die Luft und saugt die Kälte und die Stille tief in sich ein.

9 Bewertung(en)

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  • Tobi,

    Sehr gelungen.

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