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Urban Mining: der Müllberg als Goldgrube

Das ist weltmeisterlich – wenn auch nicht besonders rühmlich: Laut einer OECD-Studie produziert jeder Schweizer im Schnitt 730 kg Abfall pro Jahr. Nur die USA (725 kg) und Dänemark (750 kg) häufen pro Kopf noch mehr Müll an. Die gute Nachricht: Auch in der Verwertung dieser Müllberge gehört die Schweiz zur Weltspitze. Die Recyclingquote liegt bei weit über 50%, fast 400 kg pro Nase werden wieder genutzt. Das Zauberwort heisst «Urban Mining», städtischer Bergbau – die Schatzsuche im Müll.

Dabei geht es nicht nur um PET- oder Glasflaschen, sondern zunehmend auch um Metalle, sogar um Gold. Rund zehn Kilogramm des immer teurer werdenden Edelmetalls werden jährlich im Raum Zürich durch Urban Mining zurückgewonnen. Pro Tonne Abfall findet sich zudem Aluminium im Gegenwert von fast 1000 CHF. «Wir leben in einem rohstoffreichen Land, und diese Erkenntnis gilt es konsequent zu nutzen», sagte unlängst der Zürcher Regierungsrat Markus Kägi bei der Präsentation des Massnahmenplans der Abfall- und Ressourcenwirtschaft bis 2018. Beim Projekt «Kies für Generationen» wird beim Abbruch von Gebäuden neben den metallischen Rückständen auch ein Teil der mineralischen Rohstoffe zurückgewonnen.

«Formel 1» der Müllverwertung
Zu den neuesten Errungenschaften mit weltweitem Vorbildcharakter zählt die Kehrrichtverwertungsanlage in Hinwil im Zürcher Oberland. Genau in dem Ort, wo auch das Formel-1-Team von Sauber angesiedelt ist. Ein schöner Zufall, denn die neue Anlage ist quasi die «Formel 1» der Müllverwertung: Sie kann aus Schlacke-Rückständen der Müllverbrennung wertvolle Metalle wie Kupfer, Eisen, Aluminium, Messing, Zink und Edelmetalle wie Silber oder Gold zurückgewinnen. Das ist ein wahrer Schatz beispielsweise für die Produktion von Hightech-Geräten.

Aus 43 000 t Schlacke 6000 Tonnen Metalle zu ziehen, hat sich die Anlage zur Aufgabe gemacht. Und die erste Bilanz aus dem Jahr 2015 ist laut Tätigkeitsbericht der Stiftung Zentrum für nachhaltige Abfall- und Ressourcennutzung zufriedenstellend: «Die Qualität der Metalle entspricht den hohen Erwartungen. Durch den Brechprozess können sehr viele Metallteile freigelegt und erfolgreich separiert werden. Der Energieverbrauch der Anlage ist deutlich tiefer als erwartet.» Auch damit macht sich der Abfall bezahlt. Bei der Müllverbrennung wird jede Menge Energie freigesetzt. Sie deckt heute schon rund fünf Prozent des Strom- und Wärmebedarfs des Kantons Zürich.

Ein weiteres Beispiel liefert die Kehrichtverbrennungsanlage SATOM Monthey im Wallis, eine der fortschrittlichsten Anlagen in der Schweiz, in der die gesamte, trocken ausgetragene Schlacke aller Verbrennungslinien aufbereitet wird. Durch die Trockenentschlackung werden hier kontinuierlich Erlöse aus dem Verkauf von Eisen- und Nichteisenmetallen (z. B. Kupfer, Aluminium, Zink, Bronze, Messing) erzielt. Es können in diesem Verfahren auch mehr Metalle abgetrennt werden, in höherer Qualität, da die bei Nassentschlackung typischen, grauen Schlackenüberzüge fehlen.

Die Zukunft der Menschheit im Klärschlamm
Weitere innovative Projekte laufen schon oder sind in Planung. So unterstützt der Bund Forschungsarbeiten für eine Rückgewinnung und Verwertung wertvoller Phosphorverbindungen, wie sie beispielsweise in der Asche aus der Klärschlammverbrennung in der Verwertungsanlage SAIDEF der Deponie Posieux FR (siehe Video) zu finden sind. In einigen Jahren soll der für Mensch und Natur unersetzbare Rohstoff, der als Hauptbestandteil von Düngemitteln eine zentrale Rolle für die Ernährung der Menschheit spielt, im grosstechnischen Massstab aus der Verbrennungsasche zurückgewonnen werden. Ab 2021 greift zudem eine neue Verordnung, die zur Rückgewinnung von Metallen aus Filterasche verpflichtet. Diese ist beispielsweise reich an Zink – ebenfalls ein sehr interessanter Recycling-Rohstoff beim «Urban Mining».

Die Schatzsuche geht also weiter. Aus dem «Goldrausch» von einst könnte bald schon ein «Abfallrausch» werden. Und da könnte es sich sogar als nützlich erweisen, dass die Schweizer beim Abfall die Nase vorn haben. Denn sie sind es nicht nur beim Wegwerfen, sondern auch in der Aufarbeitung der Hinterlassenschaft. In der Kehrichtverwertung, so zeigt sich jetzt, ist das Land mittlerweile Weltspitze. Und darin liegt ein gutes Stück Zukunft – möglicherweise auch für all die müllgeplagten Megacitys rund um den Globus.   

Abfall – ein Gewinn für alle

Aus den Augen, aus dem Sinn: Das gilt nicht für Abfall. Denn er wird zunehmend zur wertvollen Ressource:

2 Bewertung(en)

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  • Thomas Schillmeier,

    Es soll auch in unserem Land Menschen geben, die nicht so sehr mit finanziellen Mitteln ausgestattet sind wie Andere. Zu denen gehöre ich auch. Für mich sind 26.-CHF, für eine Rolle 60 Liter Abfallsäcke viel Geld. Und jetzt, nachdem ich diesen Bericht gelesen habe, ärgere ich mich darüber, dass unsere Kehrichtsäcke nicht gratis abgegeben werden.

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