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Upcycling: aus alt mach neu

Ein Sessel aus ausrangierten Veloschläuchen, eine Tasche aus einem alten Autositz oder ein Armband aus Fahrradketten: Möbel, Schmuck und Mode aus Abfall sind hip. Das macht durchaus Sinn, denn unsere Wegwerfgesellschaft produziert viel mehr Müll als nötig. 2012 hat jeder Schweizer im Schnitt 690 Kilo Abfall entsorgt. Nicht, dass dieser nichts mehr wert wäre. Das sagen sich jedenfalls immer öfter findige Tüftler und Designer. Sie setzen aufs «Upcyceln». Statt den Rohstoff wie beim klassischen Recyceln energiereich wieder verwertbar zu machen, nutzen sie die Produkteigenschaften einfach für neue Ideen weiter aus. Denn eigentlich können Verpackungen für Süssigkeiten ja auch Licht filtern, Kaffeepads Handtaschen verschönern oder Plastikflaschen Dokumente schützen. Als Pioniere des Upcyclings gelten die aus Davos stammenden Brüder Freitag. Sie waren die Ersten, die Kuriertaschen aus Lkw-Planen schneiderten. In den Entwicklungsländern freilich existiert Upcycling schon viel länger. Aus der Not heraus entstehen dort seit langem Häuser aus Flaschen, Schalen aus Flip-Flops oder Schuhe aus Autoreifen.

Kaffeekapseln, die leuchten
Wenn aus Abfall Nützliches werden soll, muss man mit der nötigen Kreativität ans Werk gehen. So fertigen die beiden Ostschweizer Georg Lanter und Andreas Wüthrich aus gebrauchten Nespressokapseln, Velofelgen und Armierungseisen stylische Designerlampen. «Unsere Leuchten sollen dem Betrachter bewusst machen, welch materieller und ästhetischer Wert in Abfällen stecken kann», betonen die beiden Inhaber der Designfirma 2mol. «Gleichzeitig wollen wir die Leute mit unseren Produkten auch dazu bringen, ihr Wegwerfverhalten kritisch zu hinterfragen.» Dabei sind den Produzenten, wie den meisten Upcyclern, auch die Herstellungsbedingungen nicht egal. So werden die Abfallmetalle in der Nähe von St. Gallen gesammelt und in einer sozialen Werkstatt aufbereitet. Das Produkt erzielt damit nicht nur eine sehr gute CO2-Bilanz, es wird auch unter fairen Bedingungen hergestellt.

Auch das junge Label «Just bottle» nutzt Upcycling nicht nur als kreative Spielwiese, sondern legt Wert auf faire Produktion. Das Team schmilzt, schneidet, schleift und bohrt, zerschlägt und dekoriert gebrauchte PET- und Glasflaschen und verkauft sie im Ladenlokal in Opfikon-Glattpark und über die Homepage (www.justbottle.com) als Schalen, Karaffen oder Sushi-Sets. Beim Möbellabel «Zweitform» aus Zofingen (www.zweitform.ch) erhalten alte Möbel eine zweite Form. Da wird Grossvaters Werkzeugkorpus zum Sideboard, Grossmutters Küchenschrank zum Couchtisch. Marc Riedo, Innenarchitekt und «Zweitform»-Gründer, legt Wert darauf, dass bei seinen Neuschöpfungen die Abnutzungsspuren immer erkennbar bleiben, so soll jedes Möbelstück seine eigene Geschichte erzählen. 

Phantasie ohne Grenzen
Auch die Kunst macht vor dem Trend nicht Halt: So entstehen beispielsweise aus bedrucktem Zeitungspapier oder aus Telefonbücherseiten neue Kunstdrucke. Diese Form des Upcyclings gibt es in der Schweiz schon seit den 1980er-Jahren. Ein unbekannter Künstler benutzte damals sogenannte Vorlaufbögen, die beim Einrichten der Druckmaschinen als «Abfall» anfielen, um seine Plakate durch ein weiteres Überdrucken zu Unikaten zu machen. Das fasziniert Kunstfreunde bis heute. Dass gebrauchte Materialien «en vogue» sind, hat in diesem Jahr auch der «Upcycling Fashion Store» während der Berliner Fashion Week eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Neben den Kreationen von über 30 internationalen Designern und Upcycling Labels, wurde dort die exklusive Kollektion «Licorice» des ungarischen Schmuckherstellers «Upcycology» ausgestellt. Aus Fahrradschläuchen fertigte das Unternehmen für einen sechstägigen Showroom ebenso überraschende wie wundersame kleine Upcycling-Kunstwerke. Echte Hingucker mit einer politisch korrekten Botschaft.

Upcycling: Es geht um das Einzigartige

Mit Lampen aus gebrauchten Kaffeekapseln setzen Andreas Wüthrich und Georg Lanter von 2mol aus St. Gallen Upcyling-Trends. Was macht diese so attraktiv? Eine Spurensuche.

Upcycling liegt im Trend. Woher kommt das Verlangen nach Produkten aus gebrauchten Materialien?
Andreas Wüthrich: Die Konsumgesellschaft ist allgegenwärtig, wir sind umgeben von massenhaft Produkten. Der Konsument sucht inzwischen mehr das Einzigartige. Upcycling-Produkte sind meist einzigartig, oftmals (wie auch unsere Leuchten) handgefertigt und kommen überwiegend aus sozialer Herstellung. Wir glauben, dass die Leute immer mehr auf die Geschichte des Produkts schauen. Sie wollen wissen, welche Materialien verwendet werden, wo und wie das Produkt hergestellt wird.

Wie kam die Idee, auf diese Art und Weise Leuchten zu erschaffen?
Andreas Wüthrich: Die Essayistin Aba Assa hat einmal gesagt, «Kreativität ist funktionales Chaos im Kopf.» Dieses Zitat trifft es ganz gut. Ordnung und Chaos stehen sich oft näher als man denkt. Wir haben in einem chaotischen Keller in St.Gallen recht ordentliche Leuchten entwickelt. Unsere Rohstoffe sind dabei immer Abfall, unsere Freizeit, Interesse am Tüfteln, Freude an schönem Design, etwas Naivität sowie ein hilfsbereites Netzwerk.

Wie viele Kaffeekapsel-Lampen verkauft Ihr pro Jahr und was sind Eure Hauptabsatzmärkte?
Andreas Wüthrich: Bis jetzt verkaufen wir die meisten Leuchten in der Schweiz, haben aber auch Anfragen aus dem nahen Ausland. Alle unseren Lampen lassen sich ja mit der Post versenden.
Georg Lanter: Gerade die Kronleuchter stossen auf grosses Interesse, davon haben wir inzwischen 40 bis 50 Stück verkauft. Windlichter, unser kleinstes und günstigstes Produkt, finden ebenfalls regen Absatz, da haben wir letztes Jahr zwischen 150 und 200 Stück verkauft. Unser neuestes Produkt, die minuit Nachttischleuchte, liegt auch schon sehr gut im Rennen.

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