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Trauerhilfe mit Herz und Verstand

Der Schock kam per Telefon: Polizei – ein Unfall – der Fahrer ist seinen Verletzungen erlegen … Die junge Frau versteht noch gar nicht, was sie da heute Morgen erfahren hat. Ihr Mann ist verstorben, sie nun allein mit den zwei Kindern, die gerade einmal anderthalb und drei Jahre alt sind. Als Corina Soncini die Wohnung in Rapperswil-Jona betritt, begegnet sie einer paralysierten Frau. Die Kinder toben im Wohnzimmer, laut und aufgedreht, sie ahnen, dass etwas nicht stimmt.

Corina Soncini ist Life Coach der Basler Versicherung. Vor wenigen Stunden hat sie die Nachricht vom Todesfall erhalten und sich gleich von Winterthur auf den Weg an den Zürichsee gemacht. Die 27-jährige gelernte Fachfrau Gesundheit kennt sich aus mit dem Tod und was dieser bei Angehörigen auslöst. Sie hat lange in Pflegeheimen in der Sterbebegleitung gearbeitet. Nach einem Betriebswirtschaftsstudium und Stationen in verschiedenen Unternehmen beschloss sie, wieder zu ihren Wurzeln zurückzukehren und gründete mit ihrem Bruder Fabrizio in Winterthur «Dimovera», ein Startup, das sich dem letzten Lebensabschnitt, der Vorsorge zu Lebzeiten sowie der Unterstützung im Todesfall widmet.

Einschneidendes Erlebnis
Als Life Coach kann Corina Soncini nun ihre Erfahrung und ihr Knowhow im Umgang mit zahlreichen Zivil- und Bestattungsämtern, Spitälern, Altersheimen sowie Spitex-Organisationen gebündelt zur Anwendung bringen. «Wir wissen alle, dass wir einmal sterben müssen. Der Todesfall ist aber dann doch ein so einschneidendes Erlebnis, dass viele Angehörige und Hinterbliebene mit der Situation komplett überfordert sind», weiss sie. «In solchen Momenten können wir mit unserer Expertise meist sehr schnell wirksam helfen, die Angehörigen beruhigen und entlasten.»

Die junge Frau in Rapperswil-Jona wirkt relativ gefasst. Sie hat die Nachricht vom Tod ihres Mannes vernommen, aber angekommen ist diese noch nicht. «Was muss ich jetzt machen», fragt sie und fügt fast flehend hinzu: «ich muss doch jetzt etwas tun». Corina Soncini kennt dieses hin- und hergerissen sein zwischen Schmerz und Tatendrang. «Jede Person reagiert auf eine solche Situation anders», stellt sie fest. «Die einen verfallen in eine Art Schockstarre, sind gefangen in ihrer Gefühlswelt, die anderen flüchten in Aktionismus. Sie wollen etwas anpacken, um so die eigenen Gefühle noch auf Abstand zu halten.»

Zuhören können heisst handeln können
Um herauszufinden, was für die Betroffenen der richtige Weg ist, heisst es für einen Life Coach erst einmal genau zuzuhören und zu erspüren, welche Unterstützung die Hinterbliebenen wirklich brauchen. «Wir wollen helfen und nicht überfordern», sagt Corina Soncini. «Es gibt bei einem Todesfall rund 100 bis 200 Aufgaben, die erledigt werden müssen», sagt sie. «Dazu gehören unter anderem die Organisation der Beerdigung, die Benachrichtigung der Freunde und weiteren Angehörigen, die Information des Arbeitgebers des Verstorbenen, Behörden- und Bankangelegenheiten, die Deaktivierung des E-Mail-Kontos, und, und, und …».

Damit die Witwe erst einmal zur Ruhe kommen und ihre Gedanken sortieren kann, organisiert Corina Soncini zunächst per Telefon ein Babysitting. Kurz darauf klingelt es an der Haustüre. Eine nette, erfahrene ältere Dame nimmt sich in den nächsten Stunden den Kleinen an, spielt mit ihnen, kümmert sich um das Nachtessen und macht die Kinder bettfertig. «Das ist eine grosse Erleichterung für die Mutter, um sich selbst zurechtzufinden und dann die anstehenden Aufgaben anzupacken», weiss Corina Soncini.

Es sind gerade Hilfestellungen in scheinbar banalen Alltagsfragen, die nun zählen. «Oft wissen die Frauen nicht, wie die Heizung im Keller zu bedienen ist, das hatte immer der Mann erledigt», berichtet Soncini. Dann schaut sie in der Regel selbst nach dem Rechten und versucht, solche Probleme zu beheben. «Dazu reicht manchmal ein schneller Blick in die Betriebsanleitung der Anlage. Wenn es komplizierter wird, kümmere ich mich darum, dass ein Fachmann das Problem löst.»

Ein Netzwerk von Helfern
Die Life Coaches wollen Ansprechpartner sein und die Angehörigen entlasten. «Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Trauernde gerne eine einzige Kontaktperson haben, die ihnen bei Bedarf eine Verbindung zu fachlicher Unterstützung herstellt.» Dazu nutzt Corina Soncini ein weitverzweigtes Expertennetzwerk aus Kinderbetreuern, Psychologen, Mitarbeitern von Bestattungsämtern und Spitälern, versierten Anwälten, Handwerkern oder Immobilien- und Versicherungsspezialisten.

Mitunter müssen die Life Coaches auch als Schlichter auftreten. Corina Soncini berichtet vom Besuch in einem Trauerhaus, wo die Grossfamilie versammelt und ein Streit ums Erbe entfacht war. «Da herrschte richtig dicke Luft», erinnert sie sich. «Als ich dann ankam und ein paar Fragen stellte, entspannte sich die Atmosphäre deutlich und die Familie konnte wieder näher zusammenrücken.»

In Rapperswil-Jona verabreden die Witwe und ihr Life Coach, dass in den nächsten Tagen die Post für den Verstorbenen an die Geschäftsadresse von Corina Soncini umgeleitet wird. «Wir können auf diese Weise die Trauernde in der schwierigen Anfangszeit ein wenig abschirmen, die administrativen Dinge erledigen und so einen grossen Teil des emotionalen Drucks von ihr nehmen», sagt Soncini.

Die Life Coaches verstehen sich als echte «Allrounder» und Profis im Umgang mit schwierigen Lebenssituationen. Dazu wird ihnen ein ganz besonderer Spagat abverlangt: Sie müssen einerseits empathisch sein und sich in die oft sehr aufgewühlte Gefühlslage der Trauernden hineinversetzen, andererseits sind sie gehalten, innerlich Abstand zu wahren, um einen klaren Kopf zu behalten und das Notwendige planvoll und maximal effizient zu erledigen. «Ich komme nicht als die Freundin zum In-den-Arm-nehmen und gemeinsamen Weinen», stellt Corina Soncini klar. Sie achte daher sehr genau darauf, die Probleme der Trauernden nicht mit zu sich nach Hause zu nehmen. «Das muss ich als Life Coach klar trennen.»

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  • Christine Thürlemann,

    Respekt; dies ist eine sehr gute Neuheit auf dem Markt. Ich bin mir sicher, dass diese Unterstützung gut ankommen wird. Gerne würde ich mehr darüber erfahren. Christine.thuerlemann@baloise.ch

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  • Margret Läderach,

    Wie sehr hätte ich mir eine solche Dienstleistung beim Tod meines Mannes gewünscht. Ich hab's auch allein geschafft, aber es hat mich enorm viel Kraft gekostet. Ich werde wohl die Nächste sein, von der Abschied genommen werden muss. Da sind dann vor allem meine Kinder dran.

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  • Doris Rickenbacher,

    Dass es diese Dienstleistung gibt, erfahre ich leider einen Monat zu spät. Hätte mir beim Tod meines Mannes sicher sehr geholfen.

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  • Caroline Walzer,

    Super Idee und würde ich wohl heute auch in Anspruch nehmen. Als mein Ehemann im 2004 verstarb unterstützte mich ein guter Freundeskreis aber das ist nicht immer bei jedem selbstverständlich vorhanden oder man hat selber Mühe um Hilfe zu bitten und auch an zu nehmen.

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  • Caroline Walzer,

    Super Idee und würde ich heute auch gerne in Anspruch nehmen. Als mein Ehemann im 2004 verstarb und meine Kinder 12 und 14 Jahre alt waren haben uns unser grosser Freundeskreis unterstützt und begleitet. Das ist aber nicht überall so möglich und vielleicht hat man auch Mühe um Hilfe zu bitten oder an zu nehmen. caroline.walzer@bluewin.ch

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