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Soziales Engagement als sinnvolle Auszeit

Stolz führt der kleine Schüler seine Lehrerin durch das Dorf. Kurz darauf sitzt sie im Wohnraum der Familie zum Tee. Wie es Brauch ist, haben sich allerlei Verwandte und Bekannte versammelt, um den Besuch von «Miss Rahel», der Geigenlehrerin, zu erleben. Für die Menschen in dem indischen Dorf ist der Besuch der Schweizerin Rahel Landolt ein grosses Ereignis. Verschiedene ethnische Gruppen leben hier in den Ausläufern des Himalaya, einer Region, die durch ihre kulturelle und geographische Nähe zu Bhutan, Nepal und Tibet geprägt ist. Die meisten von ihnen sind Tagelöhner und Lastenträger, ohne eigenes Land, zumeist Analphabeten, die selbst nie die Möglichkeit hatten, eine Schule zu besuchen.

Der Traum, zu helfen
Dass ihre Kinder heute in Kalimpong eine kostenlose Schulbildung bekommen und sogar das Geigenspiel lernen, ist der Verdienst der von Pater Edward McGuire vor fast 20 Jahren gegründeten Jesuitenschule – und von freiwilligen Helfern wie Rahel Landolt. Rahel Landolt machte sich mit ihrem Einsatz in der Schule einen Traum wahr. Selbst als Kind von Entwicklungshelfern in Zambia geboren, hatte sie schon lange im Hinterkopf gehabt, im Rahmen eines Hilfsprojekts ins Ausland zu reisen. Nach ihrem Musikstudium ergab sich für sie eine einmalige Chance: «In Kalimpong konnte ich an einem Hilfsprojekt teilnehmen, ohne gleichzeitig meine Geige aus der Hand legen zu müssen», erklärt Rahel Landolt. Schulunterricht, zwei Mahlzeiten pro Tag und Geigenspiel: Das sind die Säulen, auf denen Pater McGuire sein Schulkonzept aufgestellt hatte.

Mit Musik zu besseren Chancen
Mit dem Musikunterricht wollte er vor allem die Konzentrationsfähigkeit der kleinen Schülerinnen und Schüler erhöhen – und damit die Chancen, über Bildung eine bessere Lebensperspektive zu erhalten. Schnell fand die Musiklehrerin heraus, dass insbesondere die Kinder der Himalaya-Bergvölker ein ausserordentlich gutes Gehör und gewissermassen eine «Naturbegabung» für Musik aller Art haben. Das Geigenspiel der jungen Volontärin stiess so auf fruchtbaren Boden und wurde Teil eines umfassenden Hilfskonzeptes für die Schwächsten. Heute sind es neben indischen Musiklehrern Volontäre wie Rahel Landolt, die den kleinen Schülern die Liebe zum Geigenspiel beibringen.

Die Musiklehrerin Rahel Landolt aus Schwyz beim Geigenunterricht in der blauen Aula der Gandhi Ashram Schule in Kalimpong.Jeden Morgen unterrichtete die Volontärin die ersten drei Klassen in Musik mit Rhythmusspielen, Singen und Bewegen.Highlights waren für die Musiklehrerin und ihre Schüler Klassikkonzerte mit dem Jugendorchester.
Die Musiklehrerin Rahel Landolt aus Schwyz beim Geigenunterricht in der blauen Aula der Gandhi Ashram Schule in Kalimpong.
Jeden Morgen unterrichtete die Volontärin die ersten drei Klassen in Musik mit Rhythmusspielen, Singen und Bewegen.
Highlights waren für die Musiklehrerin und ihre Schüler Klassikkonzerte mit dem Jugendorchester.

Chancen nutzen durch Seitenwechsel


Nutzen oder schaden berufliche Auszeiten der Karriere? Fragen an Stephan Walliser, Basler Versicherungen Leiter Human Resources Konzernbereich Schweiz.

Herr Walliser, Auslandsaufenthalte sind unter Schulabsolventen und Studenten schon lange gängige Praxis und bereichern in der Regel den Lebenslauf. Etwas neuer ist der Trend der mehrmonatigen Auszeit inmitten des Berufslebens. Wie bewerten Personalverantwortliche solche (Reise-)Unterbrechungen?
St. Walliser:
Wenn schon in jungen Jahren ein Sabbatical gemacht wird, ist es wichtig, dass es nicht nur der Erholung, sondern auch der Weiterbildung oder dem Einblick in eine andere Kultur und Arbeitsweise, also einem Seitenwechsel, dient. Dann wird die Lücke nicht negativ bewertet. Im Gegenteil, sie zeugt durchaus auch von Mut – Bedingung ist natürlich, dass Sie jeweils kurz angeben, wofür Sie das Sabbatical verwendet haben und dass es auch nachvollziehbar ist. Nach 20 Dienstjahren hingegen, darf eine Auszeit durchaus auch auf reine Erholung respektive «noch mal was anderes machen» fokussieren, ohne dass dazu grosse Erklärungen notwendig sind.

Einfach mal was anderes machen… Ist dies auch eine Möglichkeit zur Burn-Out-Prävention?
Absolut. Wenn man die Situation früh genug angeht, also nicht erst, wenn die Symptome schon in voller Ausprägung da sind, dann kann eine Auszeit sicherlich helfen. Ich würde aber jedem empfehlen, sich in einer solchen Situation unbedingt durch eine Fachperson – z. B. aus dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement – begleiten zu lassen.

Für wen kommen eigentlich Auszeiten in Frage?
Bei den Basler Versicherungen am Standort Schweiz haben wir die Möglichkeit von unbezahltem Urlaub geschaffen. Diese Praxis wird nunmehr seit einigen Jahren aktiv gelebt, und zwar auf allen Stufen. Von Geschäftsleitungsmitgliedern bis zum normalen Angestellten – wir sind auf gutem Weg, die Thematik von einem Tabuthema quasi salonfähig zu machen. Zusätzlich haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf allen Stufen die Möglichkeit, bei Dienstjubiläen anstelle von Geld auch Urlaub zu beziehen. Dieser kann mit dem regulären Ferienanspruch sowie weiteren unbezahlten Feiertagen oder -wochen kumuliert und in Form einer dem Sabbatical gleichenden Auszeit bezogen werden.

Was würden Sie mit einer längeren Auszeit anfangen?
Ich bin jetzt 52 und habe eben mein 20-jähriges Dienstjubiläum gefeiert – zusätzlich zu meinen sechs Wochen Ferien hätte ich nun noch zusätzliche Ferienwochen nehmen können, habe dies aber nicht getan, da mir persönlich die sechs Wochen reichen. Ich versuche jedoch wenn immer möglich, im Sommer vier Wochen Ferien am Stück zu nehmen, um in den Bergen an der herrlichen Engadiner Sonne beim Biken und Wandern die Batterien wieder aufzuladen.

Raus aus dem Alltag
Eine Auszeit, zu Beginn oder mitten im Berufsleben – das rückt mittlerweile für immer mehr Menschen in den Fokus der eigenen Karriere- und Lebensplanung. Die Motive sind dabei so unterschiedlich wie die Umsetzungen. Den einen geht es darum, sich sozial zu engagieren, den anderen darum, über kulturelle Perspektivenwechsel die leeren «Akkus» gründlich aufzuladen. Anderen oder sich selbst zu helfen, wird dabei zur intensiven Selbsterfahrung und damit zur weiteren Lebens- und Jobertüchtigung.

Das ging auch Daniela Borter so. Vor drei Jahren hatte sie ihren Job als Hoteldirektorin an den Nagel gehängt, packte die Koffer und nahm sich ein Jahr Auszeit. «Mein langjähriger Wunsch war es immer, meinen 50. Geburtstag in der Südsee zu feiern. Und diesen Traum habe ich mir erfüllt», berichtet die heute 53-Jährige. Gemeinsam mit ihrem Mann machte sie sich auf den Weg nach Neuseeland und weiter über die Fiji-Inseln, Australien, Indonesien und Hongkong – um in der Begegnung mit anderen Kulturen neue Energie zu tanken.

Mut zum grossen Schritt
Daniela Borter und Rahel Landolt liegen mit ihren jeweiligen «Auszeiten» im Trend: Sabbatical heisst das dazugehörige Schlagwort, das in den vergangenen Jahren aus den USA herüberzog. Eine Langzeitunterbrechung der Karriere ist immer auch ein grosser Schritt. Das zeigt das Beispiel von Daniela Borter. Anfangs hatte sie keine Ahnung, wie es nach dem Jahr für sie weitergehen würde. «Wir wussten bei der Landung in Zürich Kloten noch nicht, wo wir wohnen und wo wir arbeiten würden. Im übertragenen Sinne schliefen wir ‹unter der Brücke›. Innerhalb von drei Wochen nach der Rückkehr hatten wir beide, mein Mann und ich, einen Job und eine Wohnung», erinnert sich Daniela Borter. Ihre neue Energie und Erfahrung nutzt sie heute als Personalchefin eines grossen Schweizer Modeunternehmens, um geeignete Mitarbeiterpersönlichkeiten zu rekrutieren.

Rahel Landolt wird ihr Jahr an der Gandhi Ashram Schule nie mehr vergessen: «Der direkte Kontakt zur Bevölkerung und die Herzlichkeit, mit der ich überall willkommen geheissen wurde, war für mich eines der wichtigsten und prägendsten Erlebnisse in Indien.» Den Höhepunkt bildete für die Musikerin ein Classic Konzert mit dem Jugendorchester am Ende ihres Aufenthaltes. «In zwei wunderbaren Konzerten», so Landolt, «konnten wir beweisen, wozu die Kinder der Gandhi Ashram Schule fähig sind.» Als sie am letzten Abend, reich beschenkt mit Blumen, Briefen und Glücksschals, Abschied von Kindern, Lehrern und Kollegen nahm, war sie sprachlos vor Glück und beseelt von dem Gedanken, mit «ihrem Projekt» etwas wirklich Grosses erfahren zu haben.

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