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#4 #42014
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Reisen ganz privat

Wien Westbahnhof. Der Nachtzug aus Zürich fährt kurz nach 7 Uhr ein. Es ist Sonntag und gespenstisch ruhig. Die grossen Hotelketten am Platz sind nicht zu übersehen. Wir haben uns für den Trip in die Mozart-Stadt jedoch anders arrangiert. Eigentlich ungewollt. Über das einschlägige Portal Booking.com hatten wir ein Hotel gesucht, stiessen aber auf eine Privatwohnung. «Larogy’s Penthouse», so der vielversprechende Name. Es liegt in einem Häuserblock an einer Seitenstrasse, gleich beim Westbahnhof, von wo mehrere U-Bahnlinien direkt ins Stadtzentrum verkehren. Perfekt für uns, dazu günstig. Als fünfköpfige Gruppe bezahlen wir für drei Nächte 525 CHF, das sind 35 CHF pro Person und Nacht. Damit können selbst günstige Mitteklassehotels nicht mithalten.

Wir sind also gespannt, was uns erwartet. Im obersten Stock checken wir ein. Der Zugang zur Wohnung klappt trotz früher Morgenstunde optimal. Die Besitzerin hatte uns nur Minuten nach der Online-Buchung schon angerufen und alles erklärt. Neben der Eingangstür ist ein Kasten montiert. Mittels Code gelangen wir zum Schlüssel und beziehen unser temporäres Basisquartier. Die von den Bildern im Internet geweckten Erwartungen werden erfüllt. Sauber, geräumig, alles vorhanden. Mitten im grossen Parkett-Wohnzimmer steht ein Grandlit für zwei Personen, daneben eine Matratze am Boden. Zusätzlich ein separates Schlafzimmer mit Doppelbett, Bad und Küche. Vom Balkon geniessen wir die Aussicht über Wiens Dächer. Alles gut, die Städtereise wird zum Erfolg.

Baumhaus auf Hawaii und Loft-Appartement in Manhattan
Was für uns eine zufällige, durchaus positive Erfahrung war, hat sich speziell für Städtereisen in den letzten Jahren zu einem weltweiten Massenmarkt entwickelt. «Social Travel» nennt man die kommerzielle Vermietung von privatem Wohnraum über das Internet. Dass sich entsprechende Anbieter bereits auf klassischen Hotelportalen wie Booking.com breit machen, ist Ausdruck des Booms.

Richtig geht die Post auf den Social-Travel-Plattformen ab. Airbnb.com ist der bekannteste und grösste Anbieter. Couchsurfing.com, Wimdu.com oder 9flats.com sind Namen von Mitbewerbern, die weltweit wie Pilze aus dem Boden schiessen. Sie bieten nicht nur günstige Betten zum Schlafen, sondern dies auch an Lagen, wo man sonst kaum hinkommt. Oder wie exklusiv sind Ferien im Baumhaus auf Hawaii, im Hausboot in Amsterdam oder im Loft-Appartement mitten in Manhattan?

Wer bucht, tritt direkt mit dem Besitzer in Kontakt und erhält auch gleich die besten Insidertipps für tolle Restaurants und Shoppingmöglichkeiten in der Umgebung. Bezahlt wird bei Airbnb via Kreditkarte gleich bei der Buchung. Ausgelöst wird der Betrag aber erst am Tag nach der Ankunft, so dass man noch intervenieren kann, wenn etwas nicht stimmt vor Ort.

Über 7000 Schweizer offerieren ihr Zuhause auf Airbnb
Auch hierzulande ist Social Travel zum Trend geworden. Sowohl die Anzahl der Reisen von Airbnb-Touristen in die Schweiz als auch jene von Schweizern, die via Airbnb ins Ausland reisen, hat sich zwischen August 2013 und 2014 mehr als verdoppelt. Über 7000 Schweizer bieten mittlerweile auf der Plattform ihr Zuhause als Hotel auf Zeit an. Davon mehr als 1400 in Zürich. Laufend registrieren sich neue Gastgeber auf Airbnb und sind oft schnell erfolgreich. Daniela aus Zürich offeriert der Travel Community seit Januar 2014 ihr 16-Quadratmeter-Studio im Stadtkreis 4. Es wird rege gebucht. «A perfect little castle», schwärmt Joswe aus Chicago in seiner Online-Bewertung von seinem Aufenthalt im Sommer. Und Natalia aus São Paulo findet: «Daniela was a great host and the location is superb.»

Seit über zwei Jahren dabei ist Claire aus Genf. Für ihr rot gestrichenes Luxus-Appartement, optimal zwischen Bahnhof und Ufer des Lac Léman gelegen, überbieten sich mittlerweile 223 Gästebewertungen mit Lobeshymnen. Die zufriedenen Gäste werden zu Fans, kommen immer wieder und empfehlen das Objekt ihrem Freundeskreis weiter. So gehört sich das in der Travel Community.

Auch wir gehören ab sofort dazu. Gut möglich, dass gute Freunde von uns oder wir selbst schon bald wieder im Larogy’s Penthouse am Wiener Westbahnhof logieren werden.

«Mit gleich langen Spiessen behandeln»

Herr Juen, ist der Social-Travel-Boom für die Hotellerie eine spannende Ergänzung oder eine ernsthafte Konkurrenz?
Dr. Christoph Juen: Das touristische Beherbergungsangebot in der Schweiz ist vielfältig und bestand schon immer nicht nur aus Hotels. Mit den Ferienwohnungen, Jugendherbergen, Campingplätzen, Berghütten oder Ferien auf dem Bauernhof – um nur einige zu nennen – kennt die Schweizer Tourismuswirtschaft eine grosse Spannweite an Übernachtungsformen, die alle in ihrer Art einen wichtigen Platz einnehmen. Das gilt auch für die Angebote rund um Social Travel.

Welche Forderungen stellt Hotelleriesuisse im behördlichen Umgang mit Anbietern wie Airbnb und wo werden diese schon umgesetzt?
Dr. Christoph Juen: Es entspricht dem gängigen Rechtsempfinden, dass die neuen Vermittlungsportale mit gleich langen Spiessen wie die restlichen Beherbergungsanbieter behandelt werden müssen. Die Gesetzesgrundlagen etwa in den Bereichen Mietrecht, Steuerrecht und Sicherheitsrecht sind vorhanden. Das Problem liegt allerdings beim Gesetzesvollzug. Hier sind die Behörden gefordert, die bestehenden Normen auch für die neuen Beherbergungsformen konsequent anzuwenden, wie dies seit 1. Juni 2014 in der Stadt Bern der Fall ist.

Ist Social Travel nicht auch eine Chance für den Schweizer Tourismus, im Sinne von mehr Gästen und Wertschöpfung?
Dr. Christoph Juen: Tatsächlich können diese Angebote einerseits zu einem zusätzlichen Wachstum und damit zu einer Mehrnachfrage durch neue Gäste beitragen. Andererseits können die Anbieter bei Grossanlässen zur Deckung einer kurzfristigen Nachfragespitze eine wichtige Rolle übernehmen, um fehlende Bettenkapazitäten zu kompensieren. Ebenfalls akquirieren die Portale spezifische Gästegruppen, die ohne ähnliche Angebote vielleicht nicht in das Tourismusland Schweiz reisen und somit nicht zu einer höheren Bruttowertschöpfung im Tourismus beitragen würden.

6 Bewertung(en)

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  • Name: Maja Hasler,

    Danke bestens, interessanter und aufschlussreicher Artikel! Gut geschrieben. Bin hin und hergerissen. Solche Ferien sind sicher spannend und günstig. Aber vielleicht vergraulen wir damit die Hotellerie....

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  • Name:Vanessa,

    sehr gelungener Artikel!

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  • Nina,

    Toller Beitrag!

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  • Marianne aus Frankreich,

    Sehr guter informativer Beitrag. Wenn wir in die Schweiz reisen übernachten wir (wenn nicht bei Bekannten) immer in AirBnb. Wir haben eine schöne 4-Zimmer-Wohnung zur Verfügung.

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  • Sabine,

    Für meine nächsten Ferien wird das definitiv eine Alternative sein - cooler Artikel!

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