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Rauschen im Schilderwald

Tempo 70, Überholverbot, Baustellenwarnung, Achtung Rollsplitt – war da jetzt Rechtsvortritt oder bin ich in einer Einbahnstrasse gelandet? Fakt: In der Schweiz stehen rund fünf Millionen Verkehrsschilder, manche davon sind absurd und unverständlich und viele Autofahrer sind total verwirrt. Dabei weiss man heute, dass ein durchschnittliches Gehirn nur 25 Prozent der Schilder während der Fahrt überhaupt wahrnehmen kann. Die Folge: Staus. In den Niederlanden, in Schweden und auch in Deutschland gibt es immer mehr mutige Feldversuche. Hier wird auf besonders unfallgefährdeten Verkehrsabschnitten komplett auf Schilder und Lichtsignale verzichtet.

Ein Weg für alle
Das Konzept dahinter hat einen Namen. Es heisst «Shared Space» und geht davon aus, dass jeder Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt behandelt wird. Es wird ein gemeinsamer Raum geschaffen, den jeder mit dem anderen teilen muss, egal ob er Fussgänger, Velofahrer oder Autofahrer ist. Keiner bekommt mehr eine eigene Bahn, die er glaubt verteidigen zu müssen. Die einzige geltende Regel ist der Rechtsvortritt. «Überregulierung produziert mehr Fehler und weniger Sicherheit», sagt auch der Verkehrs- und Komplexitätsforscher Dirk Helbing (47). Der Soziologieprofessor an der ETH Zürich hat unter anderem selbst lernende Ampelsysteme entwickelt. «Man kann heute Verkehrsinfrastrukturen so bauen, dass sich die Verkehrsteilnehmer instinktiv richtig verhalten.»

Es geht auch anders. Kreuzungs-Chaos ohne Crash:

Den Verkehr gefährlicher machen, damit er sicherer wird
Erfinder dieses Planungsmodells ist der 2008 verstorbene Niederländer Hans Mondermann. In seiner Heimatstadt Drachten wurden mehrere gefährliche Kreuzungen vom Schilderwald befreit. Unter anderem auch der grosse Kreisel am Lawei-Platz, der täglich von 18 000 Fahrzeugen passiert wird. Hier standen mal 100 Schilder, jetzt sind es noch vier. Eine Untersuchung der Universität in Leeuwaarden ergab: Es wurden signifikant weniger Unfälle gezählt und obwohl die Autos langsamer fuhren, kamen sie zügiger durch den Verkehr – statt 50 Sekunden warteten sie vor dem Kreisel im Durchschnitt nur noch 20 Sekunden. Mondermanns System wurde inzwischen schon über hundert Mal kopiert.

Wer traut sich?
Doch wirklich radikal wurde bisher noch in keinem Land umgestellt. Brauchen wir die Schilder also doch? Zwar sind sich die meisten Experten auch in der Schweiz einig, dass weniger Ablenkung mehr Sicherheit bringt. Doch welches der je knapp 400 CHF teuren Schilder soll denn nun entsorgt werden? Automobilclubs wie der ACS warnen vor willkürlicher Abschaffung, weil ein Rollsplitt-Schild Töfffahrern das Leben retten kann. Und genau an diesem Punkt fängt dann die Diskussion wieder von vorne an. «Wir brauchen Verkehrsplaner, die etwas von Psychologie verstehen», sagt Dirk Helbing. «Das iPhone macht es vor: Es wird seit seiner Einführung im Jahr 2007 ohne Gebrauchsanweisung ausgeliefert, weil jeder es intuitiv richtig bedienen kann. Die Smartphones anderer Anbieter, die noch mit 200-seitigen Manuals an den Markt gingen, gibt es heute kaum mehr. Das sagt schon alles.»

3 Bewertung(en)

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  • Martin Strobel,

    Prima, spannende Ausgabe. Gut gefällt mir auch die Ansprache per e-mail. Man klickt dann schnell einmal auf die aktuelle Nummer Sicher. Viele Grüsse, M. Strobel

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  • GiName:,

    Gut ist der Mondermann gestorben, so produziert er nur noch Dünger.......

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  • kumoely@gmx.com,

    In Asien gibt es viele Länder, die weitgehend auf diesem Modell funktionieren! Unser Shilderwald ist wirklich nur da um die Schilderhersteller zu reichen Männern zu machen. Siehe rechte B<ielerseeseite, resp. eben ganze Schweiz!!!!

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  • Name:Cesare,

    Viele Schweizer müssten mindestens 1 Monat im Ausland Autofahren, dann können Sie behaupten sie wären gute Autofahrer (Kreisel).

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