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Raus aus der Falle

Alle zwei Minuten vibriert Marias Handy. Neue Mitteilungen ihrer Freundin, in ihrer Facebook-Gruppe kursieren Lösungswege für die Mathe-Hausaufgabe von heute. Und dann sind da auch noch die Terminpläne ihres Volleyballclubs. Doch in letzter Zeit wird Maria immer ganz blass, wenn das Mobile brummt. Angefangen hatte es, als vor ein paar Tagen bei Facebook «Mit dir fetten Kuh wollen wir nichts mehr zu tun haben» auf ihrer Pinnwand stand. Zuvor hatte sie mit zwei Klassenkameradinnen einen Streit darüber, wer sich zuerst traut, den neuen, gut aussehenden Schüler der Parallelklasse anzusprechen. Jetzt kommen im Halbstundenrhythmus Beschimpfungen bei ihr an. Von wem sie stammen, weiss sie nicht. «Fette Kuh» ist dabei eher noch harmlos. «Schlampe, Hure, …..» – die Mobbing-Skala ist nach oben offen. Maria hat Angst. Angst vor der Lawine, die die eifersüchtigen Mitschülerinnen losgetreten haben.

Im digitalen Zeitalter kommunizieren Jugendliche fast ausschliesslich über Handy, Smartphone und Computer. Damit hat auch die Verbreitung von beleidigenden oder boshaften Texten, Bildern oder Filmen – das Cyber-Bullying oder Cyber-Mobbing – zugenommen. Laut der JAMES-Studie (Jugend, Aktivitäten, Medien – Schweiz), die alle zwei Jahre von der Zürcher Hochschule für Angewandte Psychologie durchgeführt wird, haben im Jahr 2010 acht Prozent der Schweizer Jugendlichen zwischen 12 und 19 bereits erlebt, dass jemand versucht, sie im Internet fertig zu machen. Aus Angst und Verunsicherung erzählt fast ein Drittel der betroffenen Jugendlichen und Kinder im eigenen Umfeld nichts von der Belästigung. Vor allem die Eltern erfahren es oft nicht. Damit beginnt ein gefährlicher Teufelskreis. Dieser kann für die Betroffenen zu einer grossen Belastung werden und zu schweren psychischen Problemen bis hin zum Selbstmord führen.

Mobil machen gegen Mobber
Die Organisation Pro Juventute, welche Kinder, Jugendliche und Eltern unterstützt, engagiert sich mit der Kampagne «Stopp Cyber-Mobbing» gegen Gewalt im Internet. «Wir wollen vor allem Sensibilität für das Thema schaffen und Jugendliche, Eltern und Lehrer informieren, dass sie bei der Notrufnummer 147 Hilfe erhalten», erklärt Direktor Stephan Oetiker. Der Handlungsbedarf in der Schweiz ist laut der nationalen Umfrage «Hilfe gegen Cyber-Mobbing», die Pro Juventute zusammen mit dem GfK-Forschungsinstitut durchgeführt hat, gross. Demnach weiss zwei Drittel (69,9 Prozent) der Schweizer Bevölkerung nicht, wo sie bei Cyber-Mobbing Hilfe suchen sollen. Lediglich jeder Zweite (51,9 Prozent) weiss überhaupt, was Cyber-Mobbing ist. Jeder Dritte (31,2 Prozent) hat zwar schon davon gehört, kann sich aber nichts genaueres darunter vorstellen.

Seit kurzem macht Pro Juventute auf breiter Front gegen das Thema mobil: Aufrüttelnde Plakate und ein TV-Spot zeigen, dass Mobbing im Cyberspace zu realen psychischen Verletzungen führt und bei den betroffenen Jugendlichen extreme Verzweiflung und Ängste auslöst.

In einer Facebook-Aktion fordern prominente Schweizer Persönlichkeiten wie Fussball-Goalie Diego Benaglio, die Popmusikerin Heidi Happy oder die TV-Moderatorin Jubaira Bachmann die Jugendlichen auf, sich aktiv gegen Cyber-Mobbing zu engagieren. Mit Informationskampagnen an allen Schweizer Schulen werden Jugendliche auf die Hilfeleistung von Pro Juventute via Notrufnummer 147 aufmerksam gemacht. Für Maria, die bereits unter Schlafstörungen und Herzrasen leidet, kommt dieses Angebot gerade noch rechtzeitig. Sie steht nicht mehr allein da. Das Netz kann ihr nichts mehr anhaben. Maria kann sich nun wieder angstfrei darin bewegen.

15 Bewertung(en)

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  • e.niederer,

    herzlichen dank für die infomationen

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  • Meret Leenders,

    Und vor allem das Mobbing nicht verheimlichen. Mobbing geht nur, wenn das Opfer schweigt. Erwachsene dürfen nicht wegschauen, wenn sie Mobbing vermuten - nachfragen, bitte, und handeln! Wenn Betroffene sehen, dass Mobbing ernst genommen wird, sie nicht alleine dastehen, fassen sie eher Mut, sich an jemanden zu wenden. Aussagen wie "Mobbing hat es immer gegeben, nur ist es heute Mode, gemobbt zu werden" und "jeder wird halt mal geplagt, da muss man einfach ignorieren" sind nicht hilfreich. Klare Ansagen, dass Mobbing und Fertigmachen falsche Verhaltensweisen sind und nicht toleriert und "ausgehalten" werden müssen, helfen Betroffenen, das Schweigen zu brechen. Sehr oft wissen sie, werden hinter den Attacken stecken, aber getrauen sich aus Angst vor weiteren Angriffen nicht, Hilfe zu holen.

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